Beauty-Kolumne
Beauty-Kolumne

Empowered by love
Über Selbstliebe und wie sie uns und andere glücklich machen kann

Eigentlich sollten wir wahnsinnig zufrieden mit uns sein. Denn wenn wir uns selbst nur intensiv und bedingungslos genug lieben, erzählt man uns, verschwinden düstere “Ich bin nicht gut und schön genug”-Gedanken und das ewige Sich-Vergleichen findet ein Ende. Unser Körper ist unser Zuhause. Hier darf nur eintreten, wer möglichst positive Vibes mitbringt: Macken und Makel? Machen uns noch schöner. Selbstzweifel und kritische Blicke in den Spiegel? Können direkt wieder gehen. Augenringe und trockenes Haar? Hereinspaziert! Das ist doch, was sie ausmacht, diese Selbstliebe.

Beauty-Kolumne

Doch geht das überhaupt? Können wir alles an uns lieben? Jederzeit? Das Konzept der Selbstliebe weist unserem Körper eine zentrale Rolle zu und geht oft mit dem Aufruf zur Body Positivity einher. Das Mantra: Jede*r ist schön und jeder Körper vollkommen perfekt – egal, wie er aussieht. Doch Body Positivity, so befreiend sie auf den ersten Blick sein mag, stellt Anforderungen. Der Anspruch, uns als perfekt-weil-unperfekt zu betrachten, bereitet uns Bauchweh. Statt den Druck herauszunehmen, fühlen wir uns plötzlich in ein Korsett geschnürt, das uns diktiert und vorlebt, tagein, tagaus glücklich mit uns sein zu müssen, dann käme die Selbstliebe von ganz allein. Zu unserem Schuldgefühl, einem vermeintlichen Ideal nicht gerecht zu werden, gesellt sich ein zweites: der Wunsch, Dinge an uns eben doch ändern zu wollen. Aber wer sagt eigentlich, dass wir genau das nicht dürfen?

Beauty-Kolumne

Natürlich ist es toll, sich selbst und seine Facetten zu feiern. Das macht uns schließlich aus. Aber es ist auch okay, zu realisieren: Wir können uns vielleicht nicht jeden Tag lieben. Wir dürfen Dinge an uns doof finden, sie einfach als gegeben hinnehmen oder zu Make-up greifen, wenn wir das möchten. Es steht uns frei, Concealer zu benutzen, wenn wir unsere Augenringe nicht hinter der oft rosaroten “Alles an mir ist einfach nur großartig”-Brille verstecken, sondern sie heute lieber abdecken wollen. Das Schöne daran: Body Acceptance lässt uns die Dinge weniger streng sehen und lenkt den Selbstliebe-Fokus weg von den objektiven Fakten und hin zu Dingen, die uns außerdem ausmachen:

Was wir (uns) Gutes tun, wovon wir träumen, womit wir andere inspirieren. Sie ist real, wenn wir es auch sind. Lieben wir uns selbst auf diese ganz authentische Weise, spiegelt sich das auch in unseren Beziehungen zu anderen wider. Wir empowern dann auch unsere Mitmenschen, sich so anzunehmen, wie sie nun mal sind, statt 24/7 verkrampft happy mit allem an sich sein zu wollen. Warum? Weil Akzeptanz auch Einmaligkeit bedeutet. Weil die Selbstliebe auch in unseren dunklen, unaufgeräumten Ecken wohnen will. Und weil es vollkommen okay ist, dass sie manchmal verschwindet und erst nach einigen Tagen wieder an unserer Tür klopft.