Beauty-Kolumne
Ein Liebesbrief an den Schlaf

Von Seidenkopfkissen, Schäfchenzählen und
einem ganz schön schlechten Gewissen

1:45 Uhr. Ich weiß, dass es falsch ist. Trotzdem zähle ich die Stunden, bis der Wecker klingelt. Noch fünf. Noch vier. Noch … jetzt reicht’s. Wo bleibst du denn? Eigentlich habe ich doch alle Beziehungsregeln befolgt, die wir gemeinsam aufgestellt hatten: Handy aus dem Raum verbannt, Beauty-Routine zur Einstimmung absolviert, ein paar Seiten in meinem neuen Buch gelesen. Sogar das Fenster steht offen. Bedenkt man meine Angst vor möglichen sich ins Schlafzimmer verirrenden Mücken, Spinnen und Tauben (alles schon erlebt), komme ich dir ganz schön entgegen. Also, wie du siehst, gehe ich für diese Sache mit uns all in. Ich wäre jetzt soweit, lieber Schlaf.

Beauty-Kolumne

Aber du lässt auf dich warten. Und ich erinnere mich: Vor einigen Monaten kriselte es schon mal bei uns. Ein Seidenkissen sollte uns einander wieder näherbringen, hörte ich. Selbiges landete schneller in meinem Warenkorb und schlussendlich in meinem Bett, als ich “Einfach ein bisschen Schäfchenzählen, dann klappt das schon irgendwann” sagen konnte. Als netter Nebeneffekt gesellten sich tatsächlich ein weniger zerknittertes Morgengesicht und eine Frisur, die nur noch zur Hälfte nach wildem Unkraut aussah, hinzu. Aber so richtig funktionierte es nicht und ich begriff: Damit das mit uns was wirklich Großes wird, braucht es mehr als ein paar Gimmicks und gute Gedanken.


  • Immerhin – Untätigkeit oder Desinteresse kannst du mir nicht vorwerfen. Aber wenn ich ehrlich bin, gibt es da gerade so viele Dinge, die erledigt werden wollen und durch meinen auf Seide gebetteten Kopf rattern: Habe ich meiner Kollegin auf ihre E-Mail geantwortet, wann besorge ich das Geburtstagsgeschenk für meine Schwester, das Thema Wohnungssuche könnte ich auch mal wieder angehen und immer so weiter. Puh. Ich fühle mich überfordert und möchte dieses Gedankenkarussell dringend stoppen. Also summe ich leise ein Schlaflied vor mich hin, während eine Handvoll Menschen, die noch immer draußen vor der Bar sitzen, passenderweise mit aneinanderklimpernden Gläsern einstimmen. Schon witzig: Was früher Hörspielkassetten waren, ist nun die Geräuschkulisse hipper Berliner Kneipen, die mich letztendlich zur Ruhe kommen lässt. Aber das ist dir egal. Solange sich innere Stille einstellt und du merkst, dass du willkommen bist, lässt du dich von so etwas nicht verunsichern. Whatever floats your boat, äh, bed, sagst du. Und das finde ich toll.

    Denn es liegt an mir, nicht an dir. Ich tue dir wirklich oft Unrecht: Belächle dich. Vernachlässige dich. Ghoste dich hin und wieder sogar und ignoriere einfach eiskalt die Tatsache, dass du mich jederzeit mit offenen Armen empfängst und für mich da bist, ausnahmslos, wann immer ich dich brauche. Das ist nicht selbstverständlich. Nachdem wir sieben bis acht Stunden miteinander verbracht haben, geht es mir jedes Mal besser. Mein Kopf fühlt sich angenehm leicht an, meine Energie ist zurück und alles Zermürbende verarbeitet. Deshalb ist es ganz offensichtlich: Eine Trennung kommt für uns nicht infrage. Aber es ist auch an mir, diese Beziehung aufrechtzuerhalten. Vielleicht schaffe ich es ja immer öfter, bereits ein paar Stunden vor unserem Treffen runterzukommen. Es gibt dann nur noch dich und mich und das reicht uns. Denn während unseres Lebens, habe ich neulich gelesen, schlafen wir insgesamt unglaubliche 24 Jahre. Also, Schlaf, lass uns doch einfach noch ein Jahr drauflegen und Silberhochzeit feiern – dann von mir aus auch bis 1.45 Uhr.

    Von Tina Stephan

Selfcare-Evolution

Für die meisten Menschen ist Aktivkohle nur ein Wirkstoff, der bei Hautproblemen helfen soll. Nicht für mich. Wie mir Aktivkohle zu mehr Selbstachtung verholfen hat? Ein kleiner Einblick in meine Selfcare-Evolution.

Beauty-Kolumne

Bislang fielen die meisten Dinge, die ich im Badezimmer mache, unter die Kategorie Pflicht. Zähneputzen? Mundhygiene ist eben wichtig. Rasieren? Übel, dem man nicht entkommen kann. Händewaschen (oft und immer mindestens zwei „Happy Birthday“ lang)? Ich will eben nicht krank werden. Selbst Duschen kann für mich zur lästigen Aufgabe werden – vor allem, wenn der Wecker mal wieder viel zu früh geklingelt hat. Das hat sich geändert, als ich vor einigen Wochen umgezogen bin. Während ich mich in meiner vorherigen Wohnung mit einem absoluten Albtraumbad zufriedengeben musste (Stichwort: Wasserschaden an der Decke, gesprungene Fliesen in Farben und Farbkombinationen, die schon vor 30 Jahren niemand mehr schön fand), ist mein neues, frisch renoviertes Tageslichtbad ein Ort, an dem man sich gerne aufhält.


  • Und das mache ich jetzt auch! So wurde mein früheres Schnellwaschprogramm von einer mehrstufigen Pflegeroutine abgelöst. Statt „praktischen“ 3-in-1-Reinigungen für Gesicht, Körper und Haare verwende ich jetzt spezifische Produkte. Darunter: eine feste Gesichtsseife mit Aktivkohle, mein neues Naturkosmetik-Shampoo, das nur echte Pflanzenextrakte enthält, die ich sogar alle aussprechen kann, und ein Körperöl, das so gut duftet, dass ich mein Parfüm seit Wochen nicht mehr in der Hand hatte. Richtig fancy alles.

    Mit Pflicht haben diese kleinen Pflegerituale kaum noch etwas zu tun. Dafür aber mit Selfcare. Und Selbstachtung. Meine frühere Motivationslosigkeit im Badezimmer ist nämlich nicht nur auf Pflege-Faulheit, Wasserschäden und hässliche Fliesen zurückzuführen. Stattdessen ist sie ein Symbolbild für meine damalige Einstellung zum Leben. Ich war ein anspruchsloser Junggeselle. Nicht, weil ich besonders bescheiden war, sondern weil ich mir selbst auch nicht mehr wert war. Deshalb war meine alte, kleine und baufällige Wohnung lange Zeit gut genug für mich – etwas Besseres hätte ich ohnehin nicht verdient.

    Der Mensch von damals hätte sich niemals mit Aktivkohle gewaschen oder mit einem Körperöl eingecremt. Genauso wenig hätte er sich um eine wohnlichere Unterkunft mit einem schicken Bad gekümmert. Zu diesem Menschen musste ich erst werden. Diese Verwandlung begann schon vor meinem Umzug, als ich mir zunehmend mehr gegönnt habe. Zum Beispiel eine neue Couch. Einen gutsitzenden Anzug. Vernünftige Küchenmesser. Doch das waren Dinge, die ich auch tatsächlich gebraucht habe.

    Bei meinen Pflegeprodukten ist das anders. Im Gegensatz zu einer neuen Wohnung habe ich wohl keine Gesichtsreinigung mit Aktivkohle gebraucht und vermutlich könnte ich auch ohne mein wohlriechendes Körperöl leben. Der Unterschied zu früher: Heute will ich das aber nicht mehr. Der Mensch, der sich jeden Morgen und Abend mit Aktivkohle wäscht, hat Ansprüche, achtet auf sich selbst und nimmt sich Zeit für sich. Dieser Mensch will mehr vom Leben als eine ranzige Einzimmerwohnung mit blau-roten Fliesen und Wasserschaden an der Decke. Dieser Mensch ist sich das wert.

    Von Markus Kastenhuber